Ideen für erste Schritte gesucht

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Avariel
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Ideen für erste Schritte gesucht

Beitrag von Avariel »

Hallo miteinander,

ich bin 24 (wachse also nicht mehr) und möchte den Kampf gegen meine Rückenkrümmung aufnehmen.

Status quo: Wenn ich in für mich normaler Haltung mit dem Rücken an einer Wand stehe, berühren Hintern, Brustwirbelsäule und Hinterkopf die Wand, zwischen Lendenwirbelsäule und Wand sowie Hals dem oberen Ende des Halses und der Wand haben jeweils die nebeneinander und aneinander liegenden Finger einer Hand ohne Daumen Platz (Körpergröße ca. 1,90 m). Im Rahmen der Musterung wurde seinerzeit von einem Orthopäden festgestellt, dass diese zu krumme Wirbelsäulenform auf Keilwirbel und schwache Rückenmuskulatur zurückzuführen ist (was beides wieder miteinander zusammenhängt), weitere Befunde wurden nicht genannt, auch keine Behandlungsempfehlung ausgesprochen. Von der Form abgesehen habe ich mit dem Rücken keine Probleme, also auch keine Schmerzen. Da mein Vater auch einen schmerzfreien krummen Rücken hat und ich körperlich allgemein nach ihm komme, bin ich ziemlich sicher, dass die Form der Wirbelsäule bzw. der Wirbel auf erblichen Veranlagungen basiert.

Bisherige Behandlung: Vor geschätzten sieben, acht Jahren war ich zweimal wegen meinr Haltung ein paar Wochen in ambulanter Krankengymnastik, wo Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur gemacht wurden (erinnere mich noch an "Auf dem Rücken liegen und mit Beinen Fahrradfahrbewegungen in der Luft machen", die eine Krankengymnastik hatte auch Massageelemente). Leider hatte ich damals noch kein Problembewusstsein bzgl. meiner Haltung und mir die falsche Stelle für jugendlichen Widerstand gegen elterliche Ratschläge ausgesucht, also die Übungen anschließend nicht selbstständig weitergeführt. Im Ergebnis habe ich also seither allenfalls zufällig etwas für meinen Rücken getan.

Zukunftspläne: Aufgrund themenfremder Ereignisse habe ich inzwischen die Erfahrung verinnerlicht, dass man viel erreichen kann, wenn man beharrlich Arbeit in etwas investiert, und habe mich dazu entschieden, dass auch auf meine Haltung anzuwenden. Zugleich werde ich ab Mitte des Jahres für 1 Jahr für einen Freiwilligendienst in einem Entwicklungsland sein und muss zu diesem Zweck zuvor zu einem noch unbekannten Termin ein einwöchiges Vorbereitungsseminar absolvieren. Die Chance, diesen Freiwilligendienst zu machen, bedeutet mir sehr viel, sodass ich davon nur in Notfällen Abstand nehmen würde.

Fragen: Gibt es sinnvolle Maßnahmen, die ich jetzt einleiten kann, um meine Haltung zu verbessern (Schmerzreduktion ist nicht nötig, da wie gesagt keine Schmerzen vorliegen) und die sich mit meinen geschilderten Zukunftsplänen vereinbaren lassen (zeitl. und mit Blick auf medizinische Infrastruktur, die in Entwicklungsländern zur Verfügung steht)? Oder ist es trotz fehlenden Leidensdrucks unbedingt anzuraten, so schnell wie möglich das hier oft empfohlene Programm mit Dr. Hoffmann, stationärer Schroth-Reha usw. anzupeilen?
socke
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Re: Ideen für erste Schritte gesucht

Beitrag von socke »

Avariel hat geschrieben:Im Rahmen der Musterung wurde seinerzeit von einem Orthopäden festgestellt, dass diese zu krumme Wirbelsäulenform auf Keilwirbel und schwache Rückenmuskulatur zurückzuführen ist (was beides wieder miteinander zusammenhängt), weitere Befunde wurden nicht genannt, auch keine Behandlungsempfehlung ausgesprochen.
Hallo,

Das Krankheitsbild nennt sich Mb. Scheuermann. Ich denke aber, da bist du auch schon drauf gekommen wenn du Keilwirbel gegooglet hast.

Von der Form abgesehen habe ich mit dem Rücken keine Probleme, also auch keine Schmerzen. Da mein Vater auch einen schmerzfreien krummen Rücken hat und ich körperlich allgemein nach ihm komme, bin ich ziemlich sicher, dass die Form der Wirbelsäule bzw. der Wirbel auf erblichen Veranlagungen basiert.
Ja, solche Haltungsschäden sind vererbbar. Ich habs von mütterlicher Seite ;)

Man kann damit sehr, sehr lange schmerzfrei sein/bleiben. Unter Umständen bis ans Lebensende. Die meisten bekommen aber irgendwann Beschwerden, die krumme Wirbelsäule wird "verschleppt" und lässt sich im Laufe des Lebens immer schwieriger behandeln. Und wenn es dann zu Schmerzen kommt, wird man diese unheimlich schwer wieder los. Die Standard-Behandlung für Rückenkranke bringt bestenfells gar nichts und ist schlechtestenfalls sogar kontraproduktiv.

Es ist daher ein guter Gedanke, jetzt etwas zu tun. Da du schmerzfrei bist, hast du auch keinen Zeitdruck.
[...]die Übungen anschließend nicht selbstständig weitergeführt. Im Ergebnis habe ich also seither allenfalls zufällig etwas für meinen Rücken getan.
"Normale" Übungen bei Scheuermann sind sowieso nicht zielführend.


Zugleich werde ich ab Mitte des Jahres für 1 Jahr für einen Freiwilligendienst in einem Entwicklungsland sein und muss zu diesem Zweck zuvor zu einem noch unbekannten Termin ein einwöchiges Vorbereitungsseminar absolvieren. Die Chance, diesen Freiwilligendienst zu machen, bedeutet mir sehr viel, sodass ich davon nur in Notfällen Abstand nehmen würde.

Fragen: Gibt es sinnvolle Maßnahmen, die ich jetzt einleiten kann, um meine Haltung zu verbessern (Schmerzreduktion ist nicht nötig, da wie gesagt keine Schmerzen vorliegen) und die sich mit meinen geschilderten Zukunftsplänen vereinbaren lassen (zeitl. und mit Blick auf medizinische Infrastruktur, die in Entwicklungsländern zur Verfügung steht)? Oder ist es trotz fehlenden Leidensdrucks unbedingt anzuraten, so schnell wie möglich das hier oft empfohlene Programm mit Dr. Hoffmann, stationärer Schroth-Reha usw. anzupeilen?
Wenn dir das Jahr wichtig ist und du schmerzfrei bist, würde ich das an deiner Stelle einfach machen. Du bist sowieso ausgewachsen; innerhalb eines Jahres ist keine grandiose Verschlechterung (bzgl. der Krümmung) zu erwarten. Die Behandlung läuft dir auch nicht weg.

Du musst dir im Klaren sein, dass die konsequente Behandlung eines Scheuermanns zur Lebensaufgabe werden kann. Deine Gradzahl weisst du vermutlich nicht (würde mich wundern, wenn das bei der Musterung gemessen wurde); aber es gibt prinzipiell nur drei Möglichkeiten, das Problem bei der Wurzel zu packen: Schroth / Korsett / OP. Die OP würde ich aber erstmal ausklammern, da das niemand durchführen wird wenn du keine Beschwerden hast.

Während Schroth möglicherweise noch für jeden machbar ist, halte ich ein Korsett (bei Erwachsenen) für eine Maßnahme, die einen großen Leidensdruck verlangt. Lies dich über die Thematik im Forum ein. Du wirst schnell feststellen, dass das etwas anderes ist als eine Zahnspange. Ich kann nur für mich sprechen, aber hätte ich keine massiven Beschwerden würde ich das Korsett definitiv nicht tragen. Rundrücken hin oder her...

Jetzt eine Therapie zu starten halte ich in deinem Fall nicht für sinnvoll. Es steckt eine Menge Arbeit dahinter (egal ob Schroth oder Korsett), und ob du dir damit dein Auslandsjahr "versauen" willst, ich weiss nicht...

Vergiss deinen Rücken einfach nicht und kümmer dich drum, wenn du wieder hier bist. Das ist jedenfalls mein Tipp.

LG
Outlaw
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Diagnose: Hyperkyphose ca. 80 Grad und alles, was dazugehört (leichte Skoliose, Morbus Scheuermann, ....)
Therapie: Alles mögliche

Re: Ideen für erste Schritte gesucht

Beitrag von Outlaw »

Hallo Avariel,

mit 24 hatte ich auch noch keine Probleme, was aber nicht heißen muss, dass die nicht noch kommen.

Um sicher zu gehen, solltst Du Dich von einem spezialisierten Orthopäden vermessen/anschauen lassen.

Lieber jetzt mit einem guten Gewissen langfristig handeln und planen als später sich quälen und ggf. sogar operieren lassen ....

Meine Meinung.
;) Gruß Outi :D
mick
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Diagnose: Skoliose, 4BH li,
bei Gradzahlen große Messabweichungen,
ca. th. 28°, lu. 35°
LL (L4/L5)
Therapie: Korsett als Jugendliche, damals auch allg. KG; jetzt Schroth und Spiraldynamik;
Reha: Aug/Sep 2011 in Bad Sobernheim, Mai/Jun 2016 in Bad Salzungen
Korsett: 2011-2014 Sanomed
seit 2015 CCtec

Re: Ideen für erste Schritte gesucht

Beitrag von mick »

Hallo Avariel,

Was Korsett und OP betrifft, seh ich das wie socke: Da du gar keine Schmerzen hast, wäre das im Moment mehr Belastung als Hilfe für dich. Sollte dich auf keinen Fall hindern, deinen Auslandstraum zu verwirklichen.

In Betracht kommt also ohnehin erst mal nur spezielle KG/Schroth, evtl. im Rahmen einer Reha.
Was ich an deiner Stelle machen würde: Mach einen Termin bei einem Spezialisten (z.B. Dr. Hoffmann) zwecks vernünftiger Diagnosestellung. Das kriegst du zeitlich doch ohne Probleme vor deinem Auslandsaufenthalt hin. Dann kannst du auf der Basis der Diagnose mit Dr. Hoffmann besprechen, wie es weitergehen soll und er kann abschätzen, ob es ok ist, noch das eine Jahr mit einer Reha zu warten (wovon ich ausgehe). Evtl. kannst du ja schon vorher in ambulanter KG mit Schroth beginnen.

Viele Grüße,
mick
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Re: Ideen für erste Schritte gesucht

Beitrag von Silas »

Wie bereits erwähnt, steht am Anfang eine saubere Diagnostik, ohne entsprechend genaue Diagnose ist es schwer, Dir etwas zu empfehlen.

Wahrscheinlich könnte Schroth Krankengymnastik eine gute Möglichkeit für Dich sein und wenn Du dabei die richtige Haltung erlernt hast, könnte auch ein Fitness-Trainung zur Muskulaturstärkung hilfreich sein.

Aber das sind alles Spekulationen, erst einmal beim Experten abklären lassen und dann sehen wir weiter.
"Man kann nicht beweisen, dass Gott nicht existiert. Aber die Wissenschaft macht Gott überflüssig."
(Stephen Hawking)
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Klaus
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Re: Ideen für erste Schritte gesucht

Beitrag von Klaus »

socke hat geschrieben:Das Krankheitsbild nennt sich Mb. Scheuermann. Ich denke aber, da bist du auch schon drauf gekommen wenn du Keilwirbel gegooglet hast.
Das ist schon eine gewisse Spekulation, Keilwirbel können auch anders entstehen. Ich bin nämlich so ein Fall, der keine Schmorlschen Knötchen hat. :)
Ausserdem geht es weniger um den bereits abgelaufenen Morbus Scheuermann als um die tatsächliche Fehlstellung der Wirbelsäule. Die muss nämlich behandelt werden!

Aber ich kann auch nur wiederholen, hier muss erst einmal eine
konkrete und kompetente Diagnose
gemacht werden!

Dazu gehört auch eine Röntgen-Ganz-Aufnahme der Wirbelssäule von vorn und von der Seite.
Am besten bei einem Spezialisten, s.a. Rubrik Gesucht/Gefunden "Überregionale Sprechstunden".

Gruss
Klaus
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