Hallo Kiki,
das ist eine schwere (und gute!) Frage. Ich glaube, die Wirkungsweise ist schon immer ähnlich, nämlich dass über bestimmte Druckpunkte die Wirbelsäule aufgerichtet und gleichzeitig entdreht wird. Es sind ja dennoch alles Cheneau-Korsetts, deren Wirkungsweise gleich funktionieren (sollte). Was sich vielmehr unterscheidet, sind glaube ich kleine Details. Ich kann aus eigener Erfahrung die Korsetts zweier Hersteller vergleichen (erstes Korsett war aus einer Uni-Klinik, die folgenden 4 von Rahmouni):

Gipsen: unkorrigierte Stellung vs. korrigierte Stellung

Pelottendruck: eher zurückhaltend (nach dem Motte, es könnte ja drücken) vs. von Beginn an dicke Pelotten (und wenns gar nicht geht kann man immer noch was abschleifen)

Sitz der Pelotten/Druckpunkte: falsche Stelle (bei mir im ersten Korsett etwas zu tief) vs. richtig

Motivation: eine Verbesserung sei sowieso nicht zu erwarten/ OP wäre früher oder später notwendig vs. motivierende Worte, gutes erstes Röntgenbild zur weiteren Motivation

regelmäßige Kontrolltermine und Änderungen am Korsett: beim ersten Korsett wurde nur was geändert, wenn der Arzt das für angezeigt hielt vs. bei Rahmouni hat man automatisch regelmäßige Kontrolltermine bei denen immer was geändert wird. Bei meinem ersten Korsett wurden nur am Anfang überhaupt Änderungen durchgeführt, dann Monatelang gar nichts mehr, so dass ich davon ausgehe, dass die anfängliche Korrektur auch wieder verloren ging

Mängel: es gibt auch kleine Mängel, die einem Laien gar nicht auffallen, v.a. wenn man keinen Vergleich hat. Bei mir war das beim ersten Korsett z.B. so, dass der untere Teil des Korsetts komplett symmetrisch war, es gab weder eine Pelotte, noch einen eingearbeiteten Druckpunkt für die untere Krümmung. Außerdem war mein erstes Korsett insg. zu weit, es rutschte immer nach oben beim sitzen.
Kann ein Korsett, dass anfänglich nicht ausreichend korregiert überhaupt noch in ein gut funktionierendes Korsett umgeändert werden oder ist das ganze Korsett trotz Bemühungen um Änderung zum scheitern verurteilt?
Ich glaube nicht, dass man nur durch ein paar kleine Änderungen dann ein Super-Korrekturergebnis hinbekommt. Entweder deine Kleine hat wirklich eine schon seeehr fixierte Wirbelsäule (lässt sich ja einfach testen, könnt ja auch mal bei eurer Physio-Praxis danach fragen), was bei einer 8-jährigen aber wohl eher selten ist, oder sie hat tatsächlich noch irgendeine andere Erkrankung, was die Wirbelsäule bzw. Muskulatur so schlecht korrigierbar macht (dann hätte sie aber bestimmt auch andere Auffälligkeiten) oder, was viel wahrscheinlicher ist, dass das Korsett irgendwelche Qualitätsmängel hat.
Um das vielleicht einschätzen zu können, ich wurde bei meinem ersten Korsett tatsächlich zweimal kurz hintereinander im Korsett geröntgt. Das erste mal nach vier Wochen mit dem Ergebnis von 29° im Korsett (Ausgang 53°), das zweite mal ein paar Wochen später und nach einer Aupelottierung bzw. kleineren Änderungen (also ähnlich wie du das beschreibst) und ich hatte 27°, also komplett im Messfehlerbereich.
Waren dein Mann und deine Tochter denn nicht auch gleich bei Cctec und haben sich mal beraten lassen?
meine Tochter ist am 12.06 gerönt worden, kann sie überhaupt am 16.07 erneut gerönt werden oder wäre die Belastung (pädiatrischer Filter) zu hoch?
Schwierig, wie hier das Risiko-Nutzen-Verhältnis ist. Also ich finde, du solltest das erstmal auf euch zukommen lassen. Vielleicht sieht der Arzt ja auf dem ersten Blick, dass das Korsett tatsächlich irgendeinen Fehler hat. Dann ist aber das Problem, dass bestimmt ein Neues gebaut werden muss und darin dann wieder geröntgt werden muss (hier würde ich meine Unzufriedenheit auf jeden Fall kundtun, denn Röntgenstrahlung ist bekannterweise ja schädlich und diese zusätzliche Röntgenuntersuchung hätte eigentlich nicht sein müssen). Im gleichen Korsett röntgen macht meiner Meinung nach keinen Sinn (siehe oben meine Erfahrungen), da es wohl keine Rolle spielen würde ob es nun 2° besser oder schlechter ist. Fakt ist, dass das dann wohl immer noch nicht ausreichen dürfte.
Du solltest auf jeden Fall eine Erklärung für dieses schlechte Ergebnis verlangen.
Ohne erneutes Röntgen müsst ihr euch halt auf das Augenmaß des Arztes verlassen und hier spielt der Faktor "Vertrauen" eine große Rolle.